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Dark Void
Review
Von Verdemis am 05.02.2010 - 16:51:52 Uhr für psinsider.de
Dark Void, oder auch, das Spiel mit dem Jet-Pack. Man muss schon sagen, Capcom hat richtig ordentlich die Werbetrommel gerührt, zumindest hatte ich diesen Eindruck. Fast täglich gab es Neuigkeiten und Pressemeldungen zum Spiel. Doch trotz dieser Flut an Informationen hatte ich, bis ich den Titel nun selber spielen konnte, absolut keine Vorstellung von dem Spiel und erst recht nicht von der Handlung. Ich habe das Gefühl, dass ich da nicht der Einzige war. Doch warum? Ich glaube in meinem Fall lag es daran, dass das Jet-Pack als das Feature schlecht angepriesen wurde und sich das gesamte Spiel daran aufzuhängen scheint. Wirklich spannend wirkte das nicht auf mich. Aber nichts desto Trotz habe ich mir den Apparat auf den Rücken geschnallt und bin losgedüst. Ob ich in Höhenrausch geriet oder eine Bruchlandung hingelegt habe, erfahrt ihr jetzt.

Der Pilot William Augustus Grey verdient seine Brötchen mit Kurierflügen, nichts Spannendes. Doch als er eines Tages einen Auftrag erhält, muss er überrascht feststellen, dass der Kurier, für den er fliegen soll, seine verflossene Liebe Ava ist. Doch Ava scheint nicht minder überrascht, dass Will der Pilot für ihren Flug ist. Also machen die beiden sich auf den Weg. Und wo sonst könnte ein Unglück besser ins Bild passen, als im legendären Bermuda Dreieck? Also kommt es, wie es kommen muss, die Triebwerke fallen aus und Will stürzt mit Ava im Bermuda Dreieck ab. Und so landen die beiden in einem Paralleluniversum, der Leere, welche einst eine Verbindung zwischen den Welten gewesen ist. Dort trifft Will auf Menschen, welche sich die Überlebenden nennen. Die Überlebenden, und nun auch Will und Ava, sind in der Leere gefangen und in einen Kampf gegen die Beobachter verwickelt. Sogar der berühmte Physiker Nikolai Thesla ist in der Leere gefangen und arbeitet mit den Überlebenden an einem Fluchtplan um die Leere wieder zu verlassen. So stattet er Will mit einem Jet Pack aus, damit er die Überlebenden unterstützen kann und schon kann es losgehen.
Die Story ist zwar interessant, vor allem zu Beginn, doch leider werden die Charaktere so gut wie gar nicht ausgebaut. Der Spieler kriegt fast keinen Bezug zu seiner Spielfigur, noch zu den anderen Charakteren. Als Ava plötzlich entführt wird, lässt das den Spieler ziemlich kalt, man spielt nicht weiter, weil man sie retten möchte, man spielt weiter weil das Gameplay Spaß macht, zu diesem Zeitpunkt jedenfalls. Hinzu kommt, dass der Plot viel zu schnell abläuft, es kommt Schlag auf Schlag und so richtig mit kommt man auch nicht immer. Die gesamte Story wirkt unausgereift, ähnlich wie bei Bionic Commando, dafür ist bei Dark Void das Ende nicht so eine herbe Enttäuschung, aber einen Blumentopf gewinnt man damit auch nicht. Die Synchronsprecher machen zwar sehr gute Arbeit, vor allem der Hauptcharakter, welcher von niemand geringeres als Nolan North gesprochen wird, die meisten dürften ihn als die englische Stimme von Nathan Drake kennen, aber man hat immer das Gefühl, irgendwas fehlt.

Zu Beginn ist die Story wirklich interessant, zusammen mit ansprechenden Schauplätzen macht Dark Void Lust auf Entdeckertour zu gehen. Der Spieler ist neugierig, was den Absturz verursacht hat und man fragt sich, wo man gelandet ist. Als dann die ersten Feinde auftauchen, kommt auch noch richtig Action dazu. Zusammen mit dem Gameplay, welches sehr gut von der Hand geht und mit dem Deckungssystem, was sehr an Uncharted erinnert, im positiven Sinne, macht der Anfang von Dark Void richtig Spaß. Noch spannender wird es, sobald man das Jetpack ausgehändigt bekommt. Zu Beginn kann man damit nur schweben und große Sprünge wagen, aber es macht Lust auf mehr. So schwebt man über Schluchten, kämpft aus der Deckung heraus gegen seltsame, roboterartige Aliens und lernt das vertikale Gameplay kennen, welches ebenfalls für angenehme Abwechslung sorgt. In der Vertikale schwenkt die Kamera um, so das es wirkt als würdet ihr ganz normal gerade aus schauen, allerdings hängt ihr an einem Vorsprung einer Steilwand. Hier könnt ihr nun weiter nach oben zum nächsten Vorsprung springen oder eben in die andere Richtung. Dabei stellt der Vorsprung auch eure Deckung dar und ihr könnt so auch auf Gegner schießen, sogar der Nahkampf ist möglich, wenn ihr nah genug ran kommt. Dabei müsst ihr jedoch auf herunterfallende Gegner und Gegenstände achten, denn werdet ihr getroffen, müsst ihr schnell eine Taste drücken, um nicht abzustürzen. In der Vertikalen spielt es sich recht gut und es ist auch ein nettes Feature. Im Kampf habt ihr verschiedene Waffen und Granaten zur Verfügung, um euren Feinden Dampf zu machen. Kommt ein Alien zu nahe, kann man den Feind meist mit einer Nahkampfattacke den Gar ausmachen. Bei größeren Gegnern muss man auch schon öfter mal zulangen. Bei richtig großen Gegnern kommt es dann auch hin und wieder zu Quick-Time-Events, Kratos lässt grüßen, doch sind diese um ein vielfaches leichter als beim Spartaner und stellen leider überhaupt keine Herausforderung dar. Aber trotzdem macht das Spiel bis dahin sehr viel Spaß und ich habe das starke Verlangen, endlich richtig fliegen zu können. Dies lässt auch nicht lange auf sich warten. Endlich bekomme ich ein flugfähiges Jet-Pack ausgehändigt und darf losdüsen. Auf dem Bildschirm wird mir angezeigt, dass ich mit der Dreieck-Taste in den Flug übergehen kann, also nicht zögerlich und voller Vorfreude drücke ich die Taste. Das Jet-Pack zündet und Will macht einen heftigen, unkontrollierten Satz nach vorne. Völlig überrascht vom Schub knallt Will gegen die nächste Felswand und ich darf vom letzten Checkpoint neu starten, dieser war zum Glück direkt vor meinem ersten Flugversuch. Also auf ein Neues. Ich bringe mich in Position und versuche diesmal mit etwas Vorsicht meinen Abflug zu starten. Ich richte mich aus, zünde das Jet-Pack und los geht es. Will schießt durch die Luft, keine Felswand oder sonstige Hindernisse im Weg. Vorsichtig berühre ich die Analogsticks, doch dann passiert das Unglück. Die Steuerung ist völlig anders als erwartet, man steuert nicht mit beiden Analogsticks, wie ich es erwartet hätte, sondern nur der linke Stick ist für den eigentlichen Flug zuständig. Der rechte Stick wird ausschließlich zum Rollen und später für Manöver benötigt. Völlig überrascht von dieser Tatsache und zu gleich verwirrt verreiße ich die Sticks und der arme Will kracht gegen die nächste Feldwand und ich darf wieder an den Start zurück. Diese Art der Steuerung ist völlig ungewohnt und immer wieder ertappe ich mich wie ich versuche mit beiden Sticks zu steuern. Doch mit dem Spielverlauf gewöhne ich mich immer mehr daran und nach einer gewissen Zeit kommt man gut damit klar. Vor allem anfangs ist der Flug recht unübersichtlich, besonders im Kampf. Während des Fluges kann ich mit Dreieck extra Schub geben und mit Viereck trete ich in die Bremse. Doch ist man selten alleine Unterwegs, der Feind schläft nicht. So fliegen zahlreiche Untertassen-ähnliche Flugapparate auf mich zu, doch ich weiß mich zu wehren, denn mein Jet-Pack ist mit ordentlich Feuerkraft bestückt. Ich eröffne also das Feuer auf den Feind und treffe... nichts. Die Steuerung ist in den ersten Stunden so ungewohnt, dass es verdammt schwer ist, die Gegner im Luftkampf zu erwischen, doch man spürt im Verlauf des Spiels eine klare Lernkurve und man kommt nach und nach besser damit zurecht. Das Hauptproblem ist die Zielerfassung, die eigentlich nicht vorhanden ist. Man kann zwar die Kamera auf einen Feind richten, aber Will fliegt weiterhin in die vorherige Richtung, er richtet sich also nicht aus. Das Zielen ist also komplett dem Spieler überlassen. Da ich (noch) zu unfähig bin, meinen Feind zu treffen, gehe ich in den Nahkampf über. Ich nähere mich dem Feind und lande per Kreistaste auf seinem Raumschiff. Los geht es mit einem Quick-Time-Event. Ich muss eine Metallklappe abreißen und dann den Piloten ausschalten, leider ist dies extrem einfach und nur selten versagt man in diesem Unterfangen, dafür wird ein Misserfolg oft mit dem Game Over quittiert. Ist der Pilot eliminiert übernehme ich die Kontrolle über sein Schiff und das hat Vorteile. Allgemein ist der Kampf bei Dark Void angenehm fordernd, man beißt schon das eine oder andere Mal ins Gras, denn man hält halt nicht gerade viel aus, ganz besonders im Luftkampf. Allerdings sind Checkpoints absolut fair verteilt, so dass sich Frust in Grenzen hält. In ein Fluggerät zu steigen hat vor allem einen Vorteil, man hat eine schützende Hülle und diese weiß man nicht selten zu schätzen. Übrigens kann man auch verbündete Flugzeuge besteigen, diese natürlich ohne Gegenwehr. Die Steuerung des Fliegens bleibt dabei immer gleich. Ist das Flugzeug stark beschädigt, sollte man flott wieder aussteigen. Wenn man sich erstmal an die Steuerung gewöhnt hat, macht der Kampf in der Luft wirklich Spaß, lediglich die Manöver sind unschön umgesetzt. Um z.B. eine 180° Wende durchzuführen muss man erst den rechten Stick drücken und anschließend beide Sticks nach hinten bewegen. Wieso zum Teufel muss ich dafür vorher den rechten Stick drücken? Ohne wäre es viel intuitiver. Trotzdem ich habe Spaß am Spiel. Es entsteht eine angenehme Abwechslung zwischen Luftkampf, Bodengefechten und dem vertikalem Gameplay. Soweit ja gar nicht so schlecht oder? Tja, aber dann fängt es an. Nachdem ich nun auch ein wenig Gelegenheit hatte, das Fliegen zu testen, macht sich Ernüchterung und Monotonie breit und das in allen Belangen. Anfangs sind die Kulissen ansprechend und es weht sogar ein Wind von Uncharted, nicht von der grafischen Qualität, aber vom Setting her. Der Spieler ist neugierig, will die Umgebung erkunden und in einem Spiel, in dem ich mich dank Jet-Pack überall hinbewegen kann, klingt das fabelhaft. Auch die Story interessiert mich zu Beginn und ich habe noch Interesse an den Charakteren. Genau so haben ich Spaß am Gameplay, durch die drei Elemente des Kampfes am Boden, in der Luft oder in der Vertikalen. Doch warum ändert sich das? Aus den hübschen und interessanten Kulissen zu Beginn wird eine einzige braune Einöde, nur braunes Felsgestein um mich herum, welches auch grafisch nicht immer überzeugen kann, auch wenn die Grafik ansonsten ganz in Ordnung ist. Die einzige Abwechslung sind die Gebäude der Beobachter, hier gibt es zwar hin und wieder einige Kulissen, die imposant wirken, aber leider viel zu selten. Man hat das Gefühl es wiederholt sich immer wieder. Die Umgebung langweilt mich und ich habe keine Lust mich umzusehen, ich folge einfach dem roten Faden, was auch nicht schwer ist, denn das Ziel ist immer klar erkennbar, wodurch ein Vorankommen auch niemals behindert wird. Das Erkunden lohnt auch nicht wirklich. Gut, ich kann extra Punkte einsammeln, mit denen ich meine Ausrüstung aufwerten kann, aber selbst dazu habe ich kaum Motivation, da ich nicht das Gefühl habe, die Upgrades ernsthaft nötig zu haben. Und dann gibt es lediglich noch Tagebücher zu finden die noch einige Infos bereithalten, aber da mich auch die Story nicht mehr wirklich mitreißt, ist auch dies völlig uninteressant. Die Story läuft einfach nur noch ab und das einfach zu schnell, man wird fast durch die Geschichte gehetzt, man nimmt sich keine Zeit die Charaktere interessanter zu machen, sie bleiben bis zum Schluss fast farblos. Also spiele ich nur noch des Gameplays wegen. Das Gameplay sickert zum Glück nicht so stark ab, aber Routine macht sich trotzdem breit. Zwar wird keines der Gameplay Elemente überreizt und es gibt immer wieder nette Abwechslung, doch perfekt ist es trotzdem nicht. Ich kämpfe eigentlich immer gegen die selben Gegner, bis auf wenige Farben unterscheiden sich meine Feinde kaum, höchstens in der Bewaffnung und dem was sie einstecken können. Auch die Quick-Time-Events werden schnell Alltag, zwar kommen sie vor allem außerhalb des Luftkampfes nicht ganz so häufig vor, sind aber so extrem einfach, dass es mich langweilt und wenn ich Aktionen von Will bei solchen QTE zwei mal gesehen habe interessiert mich das auch nicht mehr, denn so toll, wie z.B. bei God of War, sind die Moves in keinster Weise. Denn dort war es immer wieder ein Fest und man hatte richtige Erfolgserlebnisse, doch bei Dark Void ist das nicht der Fall. Auch die Waffenauswahl ist nicht wirklich überzeugend, so kämpfe ich fast das gesamte Spiel nur mit der Standardwaffe und dem Sniper, für den Rest sehe ich keinen ernsthaften Nutzen. Na gut, Granaten sind sehr effektiv. Genau aus dem Grund sind auch die Waffen und Jet-Pack Upgrades nicht so interessant, meist mache ich mir gar nicht erst die Mühe die bunten Kugeln einzusammeln. welche die Gegner hinterlassen, mit denen ich mein Equipment verbessern kann. Besonders schade ist die Tatsache, dass es nur einen einzigen Bosskampf am Ende des Spiels gibt, zumindest habe ich sonst nichts als Bosskampf empfunden. Traurig ist auch, dass dasFinale fast schon lächerlich einfach ist. Dafür sieht das letzte Level im Gegensatz zum braunen Einerlei wieder sehr ansprechend aus. Es gibt einfach zu wenig imposante Momente. Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, sind es eigentlich nur zweiI. Also marschiere ich immer weiter, stur den Zielen hinterher und lasse alles andere links liegen. Aber trotzdem habe ich Spaß dabei, denn das Gameplay an sich funktioniert. Das mag damit zusammen hängen, dass Dark Void auch extrem kurz ist, denn sobald das Gameplay langsam langweilig wird, ist man auch schon durch. Gerade mal 5-6 Stunden braucht man für den ersten Durchgang, der ungeübte Gamer vielleicht etwas länger. Für ein Action-Titel wie Dark Void ist die Spielzeit, für mir persönlich, viel zu kurz. Vor allem bietet Dark Void absolut null Wiederspielwert. Ich habe kein Interesse, die restlichen Tagebuchseiten zu finden oder meine Waffen alle aufzumotzen. Die Grundidee des Titels ist gut, aber es ist noch viel zu viel Luft nach oben offen.
Fazit
Dark Void bietet ein spaßiges und durchaus gelungenes Gameplay. Die Features, die das Spiel bietet, das Jet-Pack, das vertikale Gameplay sind alle recht nett. Und "nett" trifft es ziemlich genau, nicht mehr. Die Entwickler haben vermutlich gedacht, diese Features reichen aus, um daran ein komplettes Spiel aufzuhängen. Tut mir leid, aber das tut es nicht. Trotzdem, Spaß kann man mit dem Titel haben, aber den Kauf zum Vollpreis, vor allem aufgrund der extrem kurzen Spielzeit und keinem Wiederspielwert, kann ich niemandem raten. Wer Interesse hat, sollte auf ein Budget Angebot warten oder sich den Titel über das Wochenende ausleihen, denn für kurzweilige Unterhaltung kann Dark Void durchaus herhalten. Ein Multiplayer wäre sicherlich noch eine nette Sache gewesen, aber darauf wurde verzichtet.
Pro
Contra
+ Abwechslungsreich
+ vertikales Gameplay
+ Lernkurve beim Fliegen
+ Deckungssystem
+ Gute Synchronistation
- sehr kurz
- kein Wiederspielwert
- Charaktere farblos
- Story flach und kaum ergreifend
- langweilige Schauplätze
- Quick-Time-Events viel zu leicht
- keine Zielerfassung beim Fliegen
Wertung:
6.4
"Dark Void ist ein netter und kurzweiliger Zeitvertreib, nicht mehr, nicht weniger."
Bronze Award
Silber Award
Gold Award
Bludiamond Award
Vielen Dank an Capcom für die Bereitstellung des Testmusters.
Jetzt kaufen bei Amazon.de oder Amazon.co.uk
Details zum Spiel
Dark Void
Genre:
Action-Adventure
Release:
22.01.2010
Publisher:
Capcom
Entwickler:
Airtight Games
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